Die menschliche Würde im Niemandsland
Wie aus einem übersehenen Ort ein Raum der Würde entstehen kann
Bei einem Spaziergang durch Güstrow kam ich am ehemaligen Standort der letzten Synagoge der Stadt vorbei.
Bis zu ihrer Zerstörung in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 stand hier das religiöse Zentrum der jüdischen Gemeinde. Heute erinnert an diesen Ort eine Informationstafel. Der ehemalige Synagogenplatz wird als Parkplatz genutzt.
In seinem gegenwärtigen Zustand wirkt dieser Ort wie ein Niemandsland. Die unmittelbare Begegnung mit dieser Situation gab den Anstoß zu meinem konzeptionellen Entwurf.
Der Anlass für diesen Entwurf ist ein konkreter Ort in Güstrow. Zugleich steht dieser Ort exemplarisch für viele ehemalige Standorte jüdischen Lebens in Deutschland, an denen heute nur noch eine Tafel oder ein Gedenkstein an das erinnert, was dort einst war.
Die schlichte Feststellung „Hier stand einmal …“ bewahrt die historische Information. Sie ersetzt jedoch nicht den räumlichen Zusammenhang, in dem Menschen über Generationen gebetet, gefeiert und gelebt haben.
Erinnerungskultur ist notwendig. Mein Entwurf versteht Erinnerung jedoch nicht nur als Hinweis auf Vergangenes, sondern als konkrete Gestaltung eines Ortes, der betreten werden kann und die Würde der Menschen sichtbar macht, die mit ihm verbunden waren.
Der historische Grundriss der Synagoge wird im Stadtraum wieder lesbar. Der Ort verwandelt sich in einen würdigen Raum der Erinnerung und des Lebens.








